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Julius von Payer: Alpinist, Polarforscher und Maler

[vorhergehende Episode]

Nicht nur die großen Seenationen suchen im 19. Jahrhundert verbissen nach deiner  Passage über die nördlichen Eismeere nach Asien. Norweger, Russen und Amerikaner über die Nordostpassage, Engländer, Franzosen und Spanier über die Nordwestpassage. Die Deutschen stoßen mit Polarexpeditionen in den Norden vor (z.B. 1869 durch Petermann). Mit dabei auch ein Österreicher: Julius von Payer.

Bild: Julius von Payer (Quelle)

Julius von Payer wird 1842 in Schönau / Böhmen geboren und tritt 1857 in die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt ein. Er wird für seinen Einsatz in der Schlacht von Solferino dekoriert und verbleibt die nächsten Jahre mit seinem Regiment in Oberitalien. Diese Zeit nutzt er unter anderem, um die Ortler und Glocknergruppe zu erkunden. Über dreißig Erstbesteigungen gehen in diesem Gebiet auf sein Konto. Durch seine alpin-geographischen Publikationen macht er auch im Ausland auf sich aufmerksam, unter anderem auf den bereits erwähnten Petermann.

Julius von Payer hat neben seiner militärischen Laufbahn, die 1868 als Generalstabsoffizier und Lehrbeauftragter an der Militärakademie einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, weitere Pläne, die er mit dem Schiffsleutnant Karl Weyprecht anstellt: die Bezwingung der Nordostpassage. Am 18. Juni 1872 ist es soweit, das von einem Verein zur Förderung der österreichisch-ungarischen Nordpol-Expedition finanzierte und in Bremerhaven gebaute Schiff, die Admiral Tegetthoff, läuft aus. Wenige Wochen später nimmt das Schiff bereits Kurs auf Nowaja Semlja, wobei es aber bald vom Eis eingeschlossen wird. Der Eisdrift treibt das Schiff nach Norden anstatt nach Osten, und nach einer ersten erfolgreichen Überwinterung entdecken Payer und Weyprecht im Sommer 1873 eine Inselgruppe, die den Alpen ähnlich sieht: Franz-Josephs-Land:

Mit trauriger Entsagung sahen wir bereits einem zweiten resultatlosen Winter und seiner drohenden Eisbewegung entgegen, als sich unsere Lage plötzlich und unerwartet völlig zu unseren Gunsten änderte. Denn es war ein Ereignis unbeschreiblicher Freude und Bedeutung für die Expedition, als wir am 31. August plötzlich hohe Landmassen, etwa vierzehn Meilen fern im Norden, durch eine Dunstwand brechen sahen, – diesem gewaltigen Anblicke gegenüber schwand alle Sorge. Dieses Land trägt gegenwärtig den erhabenen Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs von Österreich-Ungarn, dessen allerhöchstem Schutz wir das Zustandekommen der Expedition überhaupt zu verdanken hatten.

Bild: Franz-Josef-Land nach einer Anfertigung von Julius Payer (Quelle)

Bild: die Tegetthoff wird aufgegeben

Ist das Land scheinbar nicht mehr weit, dauert es noch Monate, bis sie es betreten können. Die Inselgruppe wird erforscht und vermessen, und man überschreitet die nördliche Breite von 82° 5′. Am 10. Mai 1874 wird das Schiff aufgegeben, alle Vorräte auf Schlitten verladen und im Fußmarsch das Heil des offenen Meeres gesucht. Diese wird, trotz fortsetzender Norddrift, nach drei Monaten und 560 km erreicht:

Die Stunde der Entscheidung war herangekommen – noch eine Felsecke, und ein rettendes Schiff könnte vor unseren Augen liegen, oder wir mussten uns der brutalen Übermacht des Ozeans anvertrauen. Da um 7 Uhr, wie mit einer Stimme erscholl ein Freudenruf aus unseren vier Booten: ein fünftes kleines, mit zwei Menschen besetztes Boot lag vor uns. Darin saßen zwei Russen, die, anscheinend auf Vogeljagd begriffen, nicht minder überrascht als wir selbst, auf uns zukamen. Aber noch bevor wir uns verständigen konnten, waren wir mit ihnen um eine Ecke gebogen – und da lagen zwei große Schiffe. Mit einer gewissen Ehrfurcht nähert sich der Schiffbrüchige dem rettenden Schiff, das ihn den Launen der Elemente entreißt. Als hilfreicher Freund erscheint es ihm, als höheres Geschöpf als er selbst. Mit diesem Gefühl nahten auch wir uns den beiden Schonern. Sie waren für uns der Inbegriff der ganzen Welt geworden! Wir hatten unsere Boote beflaggt und legten unter dem Schoner „Nikolaj“ an, dessen Deck sich sofort mit bärtigen Russen füllte, die mit Verwunderung und Teilnahme auf uns herabstarrten. Und man gewährte uns nicht nur sofort hilfreichen Beistand, sondern empfing uns überaus herzlich und zuvorkommend, und die einfachen russischen Seeleute des Eismeeres gaben uns von ihren geringen Habseligkeiten, um uns zu erfreuen […]“ (Quelle: Julius Payer, Die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872-1874″)

Ein russischer Fischkutter nimmt die Gestrandeten auf, und sie kehren glücklich über Norwegen nach Österreich zurück. Doch in Österreich zweifelt man an den Ergebnissen der Expedition und an der Existenz des Franz-Josef-Landes. Payer kann zwar alles beweisen, seine Karriere wird allerdings hintertrieben. Er nimmt seinen Abschied und geht zunächst nach Deutschland, wo er seine künftige Frau kennenlernt.

Seine weitere Karriere widmet er der Malerei, in der er sein Talent für perspektivische Darstellung bald beweisen kann. Ausbildungen in München, später Paris folgen. Nach seiner Scheidung kehrt Payer nach Wien zurück, eröffnet eine Schule für Maler, hält zahlreiche Vorträge und arbeitet an Reiseführern. 1815 stirbt Payer an einem Herzanfall.

Wer mehr über Julius von Payer lesen will, der hat Glück: das Buch über Payer ist im Tyrolia Verlag erschienen.

[Fortsetzung …]

Diskutiere mit 3 Kommentare

  • 1,5 mal zum Monte Cevedale : super gsi
    16. September 2012 @ 06:51

    […] auf dem Nordgrat des Ortler, mit tollem Essen und feiner Atmosphäre. Was wohl auch im Sinne des Julius von Payer […]




  • George W. DeLong: Gefangen im Eismeer : Der Ruf der Wildnis
    17. September 2012 @ 06:48

    […] Julius von Payer: Alpinist, Polarforscher und Maler […]




  • sieglinde
    30. September 2013 @ 22:28

    Weiß jemand, warum in Tramin ( in Süden Südtirols) eine Straße nach Julius von Payr benannt ist? Aufgrund welcher Verdienste?






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